La Vendemmia
 

Guter Kumpel und Mädchenbrause

 Eine Empfehlung von Michael Pöppl, taz

 
Der Akazienkiez in Schöneberg ist auf unprätentiöse Art umtriebig. In der Mittagszeit sind die Cafés gut besucht, Hektik kommt nicht auf. Die Sonnenstunden nutzt auch Sabine Grote gern, um vor ihrem Weinladen zu sitzen. Viele der benachbarten Ladenbesitzer schließen jetzt ihre Geschäfte auf, man kennt sich lange und grüßt freundlich.

Das Vendemmia wurde 1982 eröffnet, es gehört zum Kiez wie das beliebte Café Bilderbuch oder die Kultkneipe Felsenkeller. Der ehemalige Lebensgefährte von Sabine Grote war der erste Betreiber. „Wie das Leben so spielt“, sagt sie, verliebte sie sich in ihn - beim Weineinkaufen. Sie arbeiteten lange gemeinsam, bis zur Trennung. Seit 13 Jahren führt die gelernte Erzieherin den Weinladen allein. Spezialisiert ist ihr Geschäft auf italienische Weine aus allen Provinzen des schönen Landes, neben klassischen Sorten in allen Preislagen hat sie auch prämierte Spitzengewächse wie Tignanello oder Sassicaia aus der Toscana vorrätig, die sonst schwer zu bekommen sind.

Das Angebot im Laden hat sich im Lauf der Jahre erweitert. In den Regalen findet man neben den Flaschen auch edle Weinkelche und Karaffen, schlichte toskanische Weinbecher, aber auch feine Olivenöle aus der Campagna, Pasta-Variationen oder die leckeren Ritornelli-Kekse, die so nach Urlaub schmecken. Schon als Kind sei Ihre Liebe zu Italien entstanden, sagt Grote, mit den Eltern fuhr sie aus dem hohen Niedersächsischen immer wieder weit hinunter über die Alpen ans Meer.

Diese Liebe vertiefte sie im Laufe der Jahre, auch bei der Arbeit. Zu den meisten der Weingüter, die sie beliefern, hat sie schon sehr lange Kontakt. Aus der engen Zusammenarbeit entstand auch Grotes „Sabinata“-Reihe, eine Auswahl von acht hauseigenen Weinen, die extra für La Vendemmia abgefüllt werden. Der prickelnd-leichte Sabinata Perla Rosa aus dem Veneto, ein Frizzante in der Pfand-Bügelflasche ist einer der Renner im Laden. Die Kundinnen aus dem Kiez haben ihm vor langer Zeit schon den Namen „Mädchenbrause“ verliehen, gerade im Sommer erweist sich die Alternative zum Prosecco als idealer Aperitif.

Grotes weitere Empfehlungen für die taz-Leser stammen ebenfalls aus der Reihe. Die erste heißt „Sabinata Prima Vera“ und stammt überraschenderweise aus dem pfälzischen Bad Dürkheim. Der Winzer ist der Neffe ihrer einstigen Mitbewohnerin aus Studentenzeiten. Das familiäre Weingut versorgte damals bereits die gesamte WG mit guten Tropfen. Damals habe sie das Weintrinken schätzen gelernt, sagt Grote. Der Prima Vera ist ein frecher, frischer Rivaner mit schönen Obstnoten von rotem Apfel und Melone, gepaart mit einer ausgewogenen Säure und einem überraschenden, aber schönen Bittergeschmack von Stachelbeere und Wacholder. Eine echte Entdeckung und mit nur 11 Prozent Alkohol ein idealer Wein fürs leicht beschwingte Picknick.

Nummer drei aus der Reihe ist der „Sabinata Rosso“, ein klassischer Sangiovese aus den Abruzzen mit kräftigem Beerenaroma, das schon beim Öffnen in die Nase steigt. Dazu kommt ein sanfter Hauch Veilchen und etwas wilder Thymian, zurückhaltendes Tannin rundet den Geschmack ab. Er passt perfekt zu gegrilltem Fleisch oder zu würziger Pasta, auch schön zu Käse. Also schlicht: Dieser Rote ist ein unkomplizierter guter Kumpel für den Alltag.

Angebot für taz-Leser: Für den „Sabinata Perla Rosa“ von Vini Tonon (6,90 Euro), den „Sabinata Prima Vera“ vom Weingut Schmitt in Bad Dürkheim (6,95 Euro) sowie auf den „Sabinata Rosso“ von der Cantina Tollo (6,50 Euro) gibt es bei Abnahme von zwölf 0,7-Liter-Flaschen die dreizehnte Flasche gratis dazu.

Michael Pöppl, taz, 21.05.2016
 
< home